
Sonores Rauschen erfüllte die kleine Zelle aus Meter dickem Vorkriegsbeton. Die schummrige Beleuchtung wurde aus einem brüchigen Stromkreis gespeist, dies sorgte in unregelmässigen Abständen für Kurzschlüsse, Kabelbrände und eben unerwartete Dunkelheit, die sich tiefschwarz wie Japanlack über die Amaturen legte. Wenn Letzteres eintrat, brannten seine Augen einen kurzen Moment; er hatte Mühe seinen Blick in dem Nichts zu schärfen, lauter flackernde Miniaturlichter; starre Glühwürmchen, fest genagelt an ihrem Platz. Manche Knöpfe hatten keinerlei Beleuchtung, was nicht unbedingt hiess, dass sie minder wichtig waren – einzig seine eingespielten Mechanismen befähigten ihn dazu, in dieser Finsternis die Kontrolle über die Instrumente zu behalten. Während sein Oberkörper auf einem Drehstuhl gefesselt sass, wanderten die Unterarme automatisiert von einer Position zur folgenden, und so fort.
Auf wenigen Quadratmetern hatte er es geschafft, das Zeitkontinuum zu brechen und auszuschalten. Hinzu kam die von ihm herbei geführte Koordinate ‘Physischer Abstand’, die war nicht minder wichtig, so schien es ihm. Sie sorgte für die Eingrenzung der Realitätsschübe – sie war es, die ihn auch bei Laune hielt. Die Koordinate ‘Physischer Abstand’ war in ihrer Gestalt mal flüssig, mal gasförmig. Nicht greifbar, dachte er bei sich, als er von der Toilette zurück kam, sich wieder in den Raum quetschte und auf den kaputten Drehstuhl fallen liess, nicht greifbar und alles doch so nah. Sein Kopf sackte auf sein Doppelkinn, während er versuchte in die gleissende Lichtquelle eines kleinen Monitors zu schauen, der vor ihm auf einem Pult seit Stunden flimmerte. Seine Handbewegungen sorgten für vertraute Geräusche; Knöpfe, Regler und Tasten erwiderten seine Berührungen, fast zärtlich grüssten sie ihn zurück, riefen ihm im Halbdunkel zu, dass er hier nicht allein der Dinge harrte, die da kommen würden. Tik-tipp, tapp. (weiterlesen…)